Stand: 29.09.2017

Datenfunk bei den BOS



Seitens der Polizeien des Bundes und der Länder wurde bereits recht früh ein Fernschreibfunknetz auf Kurzwelle betrieben. Hierbei wurden die Daten verschlüsselt übertragenen. Diesen Teil des "nichtverbalen" Funks habe ich versucht, etwas unter dem Punkt "Kurzwellenfunk" darzustellen, auch wenn mir dazu noch viele Informationen fehlen.

Bereits recht früh kam der Bedarf auf, auch Bilder zu übertragen. Hierbei dürfte es sich um die erste Art von Datenfunk im erweiterten Sinne gehandelt haben. Die ersten Versuche Anfang der 1930er Jahre waren jedoch nicht erfolgreich. Erst mit der Entwicklung von Bildübertragungsgeräten der Firma Hell im Jahre 1949 stand ein betriebssicheres Verfahren zur Bildübertragung zur Verfügung.

Die stetig steigende Nutzung von Computertechnik brachte dann den nächsten Entwicklungsschritt mit sich. So kamen Anfang 1975 auch mobile Datenterminals auf den Markt, die mittels eines Modems die Daten über normale Funkgeräte übertragen konnten. Die Firma Motorola entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt ein entsprechendes System. Bis 1979 wurden insgesamt 6 solcher Systeme bei der Polizei installiert.

AEG-Telefunken brachte 1976 die Telestar-Geräte auf den Markt. Die Geräte wurden als intelligentes Fernschreibterminal mit Mikorprozessor zur Datenübertragung über Kabel oder Funk bezeichnet. Es war über die FSK Schnittstelle möglich, die Geräte direkt an den NF-Eingang (z.B. Mikrophoneingang) und den NF-Ausgang (z.B. Lautsprecherausgang) von Funkgeräten, wie z.B. dem FuG 7b, anzuschließen. Da es sich um Fernschreibgeräte handelte, verfügten diese über keinen Bildschirm, hatten jedoch einen integrierten Drucker. Der Druck erfolgte auf Thermopapier.

Hier eine Beschreibung der Telestar Geräte aus der Zeitschrift "Computerwoche 22/1976"

Neue Korrespondenzgeräte von Telefunken:
"Telestar" mit Mikroprozessor
04.06.1976
FRANKFURT - Ein Korrespondenzgerät, das die Abmessungen einer Schreibmaschine hat und somit für mobilen Einsatz geeignet ist, brachte die AEG - Telefunken mit dem neuen "Telestar" auf den Markt. Das Gerät, so der Hersteller, sei durch das leise und schnelle Schreibwerk auch ein angenehmer Partner im Büro.
Der "Telestar" (Telefunken Symbol Transmitter And Receiver) steht in drei Versionen (Modelle 120, 121 und 122) zur Verfügung, die sich jedoch in Konstruktion, Design und Abmessungen nicht unterscheiden. "Telestar 120" ist für den Online - Betrieb ausgelegt (Rechnerdialog; bis 200 bit/sec). Die Version "121" verfügt zusätzlich über einen Textsende- und einen Empfangspufferspeicher (2000 oder 4000 Zeichen).
"Telestar 122" arbeitet offline mit Textsende- und Textempfangsspeicher. Die Gesamtspeicherkapazität beträgt 4000 oder 8000 Zeichen. Durch den Offline - Betrieb sind Übertragungsgeschwindigkeiten bis 9600 bit/sec möglich.
In den Versionen 121 und 122 übernimmt ein Mikroprozessor die Steuerung der Gerätefunktionen und der Korrespondenzabläufe. Die Eingabe der Nachrichten erfolgt bei allen drei Geräten über eine Schreibmaschinentastatur. Das Schreibwerk druckt die Zeichen sofort zum Mitlesen aus. Jedes geschriebene Zeichen wird codiert und entweder direkt an den Korrespondenzpartner gegeben (über Draht- oder Funkverbindung) oder im Sendetextspeicher (121 und 122) zwischengespeichert.
Die Geräte können alternativ mit einer TTY- oder einer V - 24 - Schnittstelle ausgerüstet werden. Für 121 und 122 ist ferner eine Sprechfunkschnittstelle verfügbar. Die Preise liegen je nach Typ und Ausführung zwischen 12 000 und 15 000 Mark. (pi)
Informationen: AEG - Telefunken, 6000 Frankfurt 70, AEG - Hochhaus

Hier weitere Bilder vom Telestar 122

Hier eine Beschreibung des Motorola-Systems von Dipl.Phys. Rudolf Leibbrand aus der Zeitschrift Polizei-Technik-Verkehr von Mai 1979.

Auch gab es Datenfunkterminals, die über einen eigenen Sender und Empfänger verfügten. Inwieweit in diesem Fall die Daten digital übertragen wurden, entzieht sich meinen Kenntnissen.

Motorola plazierte folgende Anzeige für das MODAT-Datenterminal im November 1981 in einer Polizeifachzeitschrift:

Die in der Motorola-Anzeige abgebildeten Geräte wurden definitiv bei der pol. BOS genutzt.

Hier ein solches Terminal in einem Mercedes.

Ein Mobile Data Terminal MDT D-1118-B von Motorola ist ebenso wie das das darin abgebildete tragbare Datenfunkterminal RDX1000 Bestandteil meiner Sammlung. Details zu den Geräten finden Sie zum Mobile Data Terminal MDT D-1118-B hier und zum RDX1000 hier.

Für den Datenfunk wurden ursprünglich eigene Funkverkehrskreise im 8-m-Band aufgebaut. Ende 1980 / Anfang 1981 wurden im 2-m-Band die Frequenzen des ehemaligen öbL-A-Netzes mit den Kanälen 101 bis 125 den BOS zugewiesen. Diese Kanäle sind für die Datenübertragung vorgesehen.

Im Oktober 1981 verfasste PHK Reiner Keunecke in der Zeitschrift Polizei-Technik-Verkehr einen Ausblick auf mögliche zukünftige Anwendungen des Datenfunks. Hiervon wurde jedoch nichts in die Praxis umgesetzt.

Der Datenfunk wurde recht intensiv getestet und in verschiedenen Polizeibereichen auch ausgiebig genutzt. In der Praxis gab es allerdings auch ein paar Probleme. Neben technischen Problemen mit einem recht hohen Stromverbrauch der Geräte war teilweise die Qualität er übertragenen Daten bezüglich des Informationsgehaltes und Umfanges für die Praxis nicht ausreichend, so das trotzdem Nachfragen über Funk erforderlich wurden.

Bereits 1983 wird eine neue Sprechfunkgerätegeneration mit digitalisierter Sprachübertragung erwartet. Die Produktreife wird für die 90er Jahre eingeschätzt. Für den weiteren Ausbau des Datenfunks mit einer neuen Gerätegeneration gilt das gleiche. Die Bereithaltung eigenständiger Netze für Sprach- und Datenkommunikation wäre dann entbehrlich. (Aus Polizei-Verkehr-Technik, Dezember 1983)

Da sich die Entwicklung einer neuen Gerätegeneration hinzog und die Akzeptanz des Datenfunks rückläufig war, schlief die Nutzung des Datenfunks Mitte der 80er Jahre ein.

Durch neue Techniken im Bereich der mobilen Telefonie erübrigt sich mitlerweile die Notwendigkeit eines eigenen Datenfunknetzes. Datenfunk wird heute mittels UMTS oder falls nicht vorhanden GSM über verschlüsselte VPN-Verbindungen über die praktisch flächendeckend vorhandenen Netze der Mobilfunkprovider abgewickelt. Da über UMTS eine relativ hohe Datenübertragungsgeschwindigkeit gegeben ist, ist es fraglich, ob im zukünftigen TETRA-Netz die Möglichkeit der Datenübertragung intensiv genutzt werden wird.



Im folgenden Datenfunksysteme von Bosch, Telefunken und SEL. Ob diese Systeme bei der BOS genutzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Hier die Abbildung eines von Bosch vertriebenen Datenterminals der Firma Kustom Electronics aus dem Jahre 1980:

Anscheinend wurde das Gerät auch von Siemens vertrieben, wie eine Abbildung der belgischen Polizei vermuten läßt.

Hersteller war die Firma Kustom Electronics, wie die mir vorliegenden Informationen der belgischen Polizei vermuten lassen.

Eine englischsprachige Kurzbeschreibung des Gerätes

Nachfolgemodell war das KE MCT 30. Ob es bei deutschen Polizei eingesetzt wurde, ist mir nicht bekannt. Bei der belgischen Polizei kam es jedoch zu dem Einsatz dieses Gerätes.

Hier ein solches Datenterminal in einem VW Golf II GTI (Baujahr 1983 bis 1992) der belgischen Polizei.

Hier eine Anzeige der Robert BOSCH GmbH von Oktober 1980, wo auch das Datenterminal erwähnt wird:

SEL zeigte 1981 auf der Hannover-Messe das Funkterminal 1200 der Firma GEET (Gesellschaft für elektrische und elektronische Technik), das einfach zwischen Sprechgeschirr und Funkgerät gesteckt wird. Dieses Verfahren wurde von SEL als "adaptiver Datenfunk" bezeichnet.

Hier die dazu gehörende Information aus der Zeitschrift 112 von Mai 1981.

Mittels moderner PC-Technik ergeben sich heute ganz andere Möglichkeiten. Hier eine Möglichkeit der Bildübertragung aus dem Jahre 2000.



Zum Datenfunk im weitesten Sinne gehört auch das FMS-System.

Interessant ist vielleicht die Abbildung der FMS-Anlage der hessischen Polizeischule aus dem Jahre 1981.



Für sämtliche weiterführenden Informationen zu dem Themenbereich wäre ich sehr dankbar.



Ich möchte die Thematik nicht ins Lächerliche ziehen, aber nach dem Besuch der Hannover Messe mit den Vorführungen der modernen Technik stellte sich 1980 der Redakteur der Zeitschrift 1-1-2 die Leitstelle des Jahres 2000 kommunikativ vernetzt wie folgt vor:

Dies wurde sogar das Titelbild der Ausgabe Mai 1980 dieser Zeitschrift.