Stand: 12.02.2021

FMS – Funkmeldesystem



Das Funkmeldesystem (FMS) wurde ab 1980 eingeführt, um den Funkverkehr zu vereinfachen und Routinemeldungen durch ein digital aufbereitetes Signal zu übertragen.

Erste Anwendungen mittels Selektivruf wurden bereits Mitte der sechziger / Anfang der 70er Jahre eingesetzt.

Mitte der sechziger Jahre setzte die Berliner Feuerwehr das von der Firma Lohrmann KG in Hannover entwickelte SRA 213 ein. Hierüber konnten gezielt einzelne Feuerwachen im Stadtgebiet angesprochen werden.

In dem Buch Feuerwehr-Sprechfunk aus der Serie "Die Roten Hefte, Bd. 45" von (damals noch) Brandoberinspektor Ing. Heinz-Otto Geisel, 1. Auflage, erschienen im Kohlhammer Verlag, gibt es Informationen zu einer weiteren Anwendung.

Hierbei handelte es sich noch nicht um FMS sondern es wurden lediglich 5-Ton Folgen übertragen. Die ersten 4 Stellen bezeichneten das Fahrzeug und durch den Schalter am Kennungsgeber konnten 2 Fahrzeugzustände (Frei / besetzt) an die Leitstelle übertragen werden. Hier ein solcher Kennungsgeber vom Florian Düsseldorf 12:

Die Firma SEL entwickelte das sog. Kurzton-Pulssystem KPS, das ähnliche Mögichkeiten wie das FMS-System bot. Hier die aus dem Jahre 1977 stammende Beschreibung des Systems mit Abbildung der dazu gehörenden Komponenten.

Auch besteht die Möglichkeit, Meldeempfänger auf Basis des FMS zu betreiben. Dies wurde jedoch kaum in der Praxis eingesetzt. Ein solcher FMS-Funkmeldeempfänger war der AEG Telesignal 9M4D aus dem Jahre 1990.

Technische Details hierzu sind in der entsprechenden TR BOS enthalten.

Neben der Übertragung von Statusmeldungen mittels FMS-Telegramm bietet das FMS-System auch die Möglichkeit, einen bis zu 99 stelligen Kurztext von der Leitstelle auf ein am Funkgerät angeschlossenes (Fahrzeug-) Display zu übertragen. Diese Möglichkeit, Kurztexte zu übertraqen, wird / wurde jedoch nur von wenigen Leitstellen genutzt. Ein solches Display für die Kurztextanzeige ist z.B. das im folgenden abgebildete Wesser D-II Display.

Von Carls gab es das vergleichbare DAT 855.

Das LIS 5000 / Heedfeld HE 5050F wurde u.a. beim Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Wolfenbüttel von 1998 bis 2009 genutzt, um Einsatzinformationen an die Fahrzeuge zu übertragen und Rückmeldestati zu geben. Mit Einführung der digitalen Alarmierung wurden die Einsatzinformationen auf den digitalen Meldeempfänger übertragen und das System somit überflüssig.

Das Telegramm besteht aus 48 Bit, von denen die ersten 40 Bit gesichert werden. Die restlichen 8 Bit setzen sich zusammen aus 7 Bit Redundanz und einem freien Schlussbit, welches nicht mehr ausgewertet wird. Das Telegramm setzt sich wie folgt zusammen:

Block-Nr.

Bit-Nr.

Telegramm

1

1-4

BOS-Kennung (einstellig, hexadezimal)

2

5-8

Landeskennung (einstellig, hexadezimal)

3 - 4

9 - 16

Ortskennung (zweistellig, dezimal)

5-8

17 - 32

Fahrzeugkennung (vierstellig, dezimal)

9

33 - 36

Status (einstellig, hexadezimal)

10

37

Baustufenkennung


38

Richtungskennung


39 - 40

taktische Kurzinformation

11

41 - 47

Redundanz

12

48

Schlußbit



Die Möglichkeit, sogenannte taktische Kurzinformationen zu übertragen, wird in der Praxis lediglich häufiger von der polizeilichen BOS genutzt.



Belegung der Statustasten bei der nichtpolizeilichen BOS

0

Notruf (an die Leitstelle absetzen)

1

Einsatzbereit auf Funkempfang

2

Einsatzbereit auf der Wache

3

Auf dem Weg zur Einsatzstelle

4

Einsatzstelle erreicht

5

Sprechwunsch mit Leitstelle

6

Nicht Einsatzbereit (außer Dienst)

7

Mit Patient zum Transportziel (für Feuerwehr nicht belegt)

8

Mit Patienten Transportziel erreicht (für Feuerwehr nicht belegt)

9

Bestätigung (für Feuerwehr nicht belegt)

Von diesem Schema kann aufgrund lokaler Besonderheiten allerdings auch abgewichen werden.



Voraussetzung für die Nutzung von FMS ist, das entweder das Funkgerät selbst oder ein Zusatzteil – in der Regel der Hörer – entsprechende Funktionalitäten beinhaltet. In der Leitstelle wird eine entsprechende Auswertungstechnik benötigt.

Die Kennung innerhalb des FMS-Protokolles beinhaltet u.a. die Bezeichnung der Organisation, das Bundesland, die Stadt bzw. den Landkreis und das Fahrzeug.


Organisationskennung

1

Polizei

2

Bundespolizei

3

Bundeskriminalamt

4

Katastrophenschutz

5

Zoll

6

Feuerwehr

7

Technisches Hilfswerk

8

Arbeiter Samariter Bund

9

Deutsches Rotes Kreuz

A

Johanniter Unfallhilfe

B

Malteser Hilfsdienst

C

Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft

D

Rettungsdienste sonstige

E

Zivilschutz (Warndienst)

F

Fernwirktelegramme





Landeskennung

1

Deutschland

2

Baden-Württemberg

3

Bayern 1

4

Berlin

5

Bremen

6

Hamburg

7

Hessen

8

Niedersachsen

9

Nordhein-Westfalen

0

Sachsen

A

( 11 ) Rheinland-Pfalz

B

( 12 ) Schleswig-Holstein

C

( 13 ) Saarland

D

( 14 ) Bayern 2

E

( 15 ) 00-49 Mecklenburg-Vorpommern*

E

( 15 ) 50-99 Sachsen-Anhalt*

F

<( 16 ) 00-49 Brandenburg*

F

( 16 ) 50-99 Thüringen*

* Die Landeskennungen E und F gelten für zwei Bundesländer. Die Unterscheidung erfolgt hierbei durch die Ortskennung 00 bis 49 bzw. 50 bis 99.

Die Auflistung der Ortskennungen würde hier den Rahmen sprengen – sie ist aber an verschiedenen anderen Stellen im Internet abrufbar. Die Verteilung der Fahrzeugkennungen erfolgt häufig nach den örtlichen Besonderheiten und ohne deren Kenntnis ist vielfach für den nicht eingeweihten eine eindeutige Zuordnung der Kennung zu einem Fahrzeug nicht möglich.

Hier die Beschreibung von Bosch zu dem FMS-System

Hier separate FMS-Bedienteile von Teletron, Telefunken und Bosch für den Anschluß an das FuG 7b oder auch 8b, die ab 1980 hergestellt wurden. Hierzu liegt mir die Benutzerinformation einer Landespolizeibehörde vor. Die Geräte von SEL und Bosch waren baugleich. Leider ist mir nicht bekannt, ob es sich um eine Entwicklung von Bosch oder von SEL handelt.

Für das Teletron/Ascom 12ME liegt mir eine Programmieranleitung vor.

Neben Teletron stellte auch Telefunken ebenfalls ein solches Gerät her, das später unter dem Label von AEG vertrieben wurde.

Bosch hatte natürlich auch ein solches FMS-Gerät im Programm. Neben dem einfachen Gerät mit den Drehschaltern gab es später auch eine Version ohne Drehschalter, die komplett mit Druckschaltern bedient wurde.

Neben der Ausführung mit weien Tasten gab es auch eine Serie mit gelben Tasten.

Radiodata stellte ein FMS-Anzeigegerät her, das speziell in zivilen Fahrzeugen der Polizei genutzt wurde.

Im nichtpolizeilichen BOS-Bereich setzten sich jedoch mehr Handapparate mit FMS-Funktionalität durch, die ab 1990 hergestellt wurden. Ein hierfür typisches Gerät ist der HA222 von Radiodata.

Hier ein FMS-Handapparat von Hoffmann DiCoTec, heute DATCOM Telematik. Dazu liegt mir auch die Programmieranleitung vor.

Auch MOCOM stellte einen FMS-Handapparat her.

Für die Belange der Polizei wurde von MOCOM ein Handapparat mit schaltbarer Sprachverschleierung gebaut.

Die FMS-Funktionalität wurde auch in Bedienteile für das FuG 8b integriert. Ein erster Bedienteil dieser Art war das BG222 von Radiodata für die Bosch FuG 8b, das 1990 auf den Markt kam.

1993 kamen dann die Bedienteile MBG 228 und MBG 229 für die Bosch FuG 8b-z Geräte auf den Markt.

Hier das RNA-930 / Bosch AW-1 FMS-Anzeigegerät für kleinere Wachen.

Speziell für Führungsfahrzeuge der Münchner Polizei gab es das FSK 1246 der Firma Reiner Mahnecke, Unterhaching. Es ermöglichte dem Führungsfahrzeug den aktuellen Überblick über die FMS-Statussituation der ihm untergeordneten Fahrzeuge.

Die Technik in der Leitstelle war wesentlich umfangreicher. Es konnten mehrere Funkverkehrskreise gleichzeitig bedient werden und es gab eine entsprechende Anbindung an die Rechner in der Leitstelle.
Hier eine solche Anlage von Telefunken für drei Funkverkehrskreise.
Oben das Funkanschlußmagazin FMS-FAM-04, in der Mitte das Funkanschlußmagazin FMS-FAM-05 und unter das Prozessormagazin FMS-PZM-01.

Hier eine Abbildung der FMS-Anlage in der hessischen Polizeischule aus dem Jahre 1981.