Stand: 11.08.2018

BOS-Funk in der ehemaligen DDR



Die Anforderungen an Kommunikationsmittel für den Bereich der Polizei, Feuerwehr etc. bestand auch in der ehemaligen DDR. Hier wurde ebenfalls Funktechnik eingesetzt. Aufgrund der hohen Geheimhaltung und der permanenten Resourcenknappheit war die Ausstattung jedoch nicht unbedingt so weit verbreitet und vielfach von der Technik her gesehen etwas einfacher als in der BRD gehalten. Der Betrieb besonders im polizeilichen Bereich unterlag strengster Geheimhaltung und wurde bei besonderen festgelegten Einsätzen und Vorfällen kodiert übertragen. Hierfür gab es besondere Sprechtafeln, deren Code regelmäßig geändert wurde. Leider haben die entsprechenden Unterlagen kaum die „Wende“ überstanden, so das ich bei der Zusammentragung der Informationen abhängig von den wenigen Personen bin, die sich noch an die damalige Arbeit erinnern können. Aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe hatten auch nur wenige einen kompletteren Überblick über das gesamte Kommunikationssystem.

Aus diesem Grunde können die folgenden Ausführungen nicht vollständig sein. Über jede zusätzliche Information oder Ergänzung bzw. auch Korrektur meiner Ausführungen freue ich mich. Auch habe ich als Außenstehender Probleme, die richtigen Begriffe zu verwenden. Wenn Sie mir weiterhelfen können, schreiben Sie mir bitte an klaus@klaus-paffenholz.de. Jede Mail wird beantwortet! Danke.



Die Beschreibungen der verwendeteten Funkgeräte ist hier hinterlegt.



In der ehemaligen DDR wurden insbesondere Funknetze geplant und errichtet für
- Deutsche Post
- Verkehrsbetriebe
- Polizei / Zoll (Frequenzen von 151,500 bis 153,975 MHz Simplex)
- Feuerwehr (Frequenzen von 151,500 bis 153,975 MHz Simplex)
- DRK (Frequenzen im Bereich 68 bis 77,5 MHz Simplex und Duplex)
- Land- und Forstwirtschaft (4-m Band bis Mitte der 60er Jahre, dann 2-m Band, später auch 70-cm Band)
- Bau- und Montagekombinate
- Sportorganisationen

In der Regel lagen die Ausgaben der Relaisfrequenzen ab 163 MHz. Die Simplex Frequenzen für Handfunkgeräte waren ab 172 MHz zu finden.

Das Landfunknetz der Land- und Forstwirtschaft war für die volle Integration in die Zivilverteidigung vorgesehen, da diese lückenfrei im allen Kreisgebieten verfügbar waren.

Funkalarmierungen der Feuerwehren wurden ursprünglich im 9-m Band bei 32 MHz durchgeführt, bevor sie später im 2-m Band bei 151 bis 153 MHz stattfanden.

Zum allgemeinen Betriebsfunk der Landwirtschaft in der ehemaligen DDR habe ich hier einige Informationen zusammengetragen.



Aufgrund der zentralistischen Organisation bestanden bereits sehr früh zwischen den Dienststellen auf regionaler Ebene (in der Regel in den Kreisstädten) und „Berlin“ Funkverbindungen. Die Regionalebene war der Führung in Berlin berichtspflichtig. Ebenso wurden seitens der obersten Dienstbehörde die aktuellen Informationen an die Regionalebene weitergegeben. Hierfür wurde praktisch über die gesamte Zeit Kurzwellentechnik verwendet.

So verfügten z.B. die Stäbe der Zivilverteidigung beim "Rat des Kreises" in der Regel über 10 Watt Tornister Kurzwellenfunkanlagen im Frequenzbereich von 40 bis 48 MHZ sowie auch über UKW-Geräte.

Da eine enge Zusammenarbeit zwischen den Polizeibehörden und dem Militär bestand, handelt es sich hierbei nicht um spezielle „BOS“-Geräte, sondern es wurde praktisch die auch bei der NVA genutzte Technik (teilweise aus sowjetischer Produktion) eingesetzt.

Eine sehr umfassende Sammlung dieser Technik gibt es in dem "Technikmuseum der

Landespolizeidirektion
Zentrale Dienste Sachsen
IuK-Schulungs- und Referenzzentrum Dommitzsch
Weidenhainer Weg 16
04880 Dommitzsch
Tel.: (03 42 23) 45-0

neben vielen anderen interessantes Kommunikationsgeräten (vorwiegend der ehemaligen DDR) zu sehen. Die Ausstellung ist sehenswert. Eine vorherige Anmeldung und Terminvereinbarung ist aber unbedingt erforderlich.

An dieser Stelle möchte ich auf die Beschreibung der Kommunikationstechnik zwischen den regionalen Dienststellen und der Zentralverwaltung verzichten und mich auf die Kommunikationstechnik zwischen den regionalen Dienststellen und den unterstellten Kräften beschränken.

Der Funk der Polizei wurde wohl überwiegend im 2-m-Band abgewickelt. Die ersten zwei Funkstreifenwagen - als NEF (Nachrichten-Einsatz-Fahrzeug) bezeichnet - gab es ab 1950 bei der Ost-Berliner Polizei. Im Laufe der Jahre wurde dann auch in weiteren Bezirken die Funktechnik eingeführt. Mit Einführung des zentralen UKW-Funknetzes des MdI vermutlich Anfang der 1970er Jahre gab es dann ein einheitliches Funknetz der Volkspolizei. Hier die Betriebsunterlage zum ZFN.

In der sehr umfangreichen Abhandlung von EPHK a.D. Günter Neue zur Entwicklung der Leitstellen der Polizei in der Stadt Potsdam in den Jahren 1951 bis 2011 wird auch auf die verwendete Funktechnik eingegangen.

Aus der Funkordnung des Deutschen Roten Kreuzes der DDR von August 1980 läßt sich entnehmen, das das DRK der DDR seinen Funkverkehr sowohl für den Krankentransport / Rettungsdienst (SMH) wie auch in Katastrophenfällen im 4-m-Band abwickelte.

Sehr interessante Informationen zu den Themen: Rettungsdienst, Sanitätsdienst, Gesundheitswesen sowie der Feuerwehr der DDR gibt es auf den Seiten von Heiko Mehner ( www.drk-ddr.de ) nachzulesen.

Hier eine gespeicherte Kopie der Seite mit Informationen zur Funktechnik der Krankentransport- und Rettungsfahrzeuge
Hier eine gespeicherte Kopie der Seite mit Informationen zum FM 301-80 Funkgerät
Hier eine gespeicherte Kopie der Seite mit Informationen zur DRK Leitstelle Rudolstadt


In diesem Zusammenhang ist die Chronik "100 Jahre Feuer- und Rettungsleitstelle Cottbus - 1908 bis 2008" hoch interessant. In dieser wird sehr detailliert die Entwicklung der Kommunikation beschrieben und auch auf die besonderen Schwierigkeiten nach dem Kriege in der ehemaligen DDR eingegangen. Auch wenn hier lediglich von der Entwicklung in Cottbus gesprochen wird, dürfte dies jedoch recht repräsentativ für den gesamten Bereich der ehemaligen DDR sein.



Bei der Volkspolizei waren sie nicht üblich - aber das Ministerium für Staatssicherheit, die STASI, hatte auch spezielle Technik. Hier Geräte, die in Dommitzsch ausgestellt sind.

Bei den Bereitschaften der Volkspolizei gab es auch spezielle Kommandowagen, die mit umfangreicher Funktechnik ausgerüstet waren.

Hier ein typischer Funktisch der DDR-Volkspolizei.

Hier zwei freundliche Volkspolizisten auf ihren Krädern:

Im Heft 17 „Die Nachrichtenmittel“ der Serie „Kleine Fachbücherei der Feuerwehr“ aus dem Staatsverlag der DDR beschreibt Ing. Lothar Hoheisel im Jahre 1963 u.a. auch die bei den Feuerwehren eingesetzte Funktechnik. Die hierzu interessanten Abschnitte habe ich als pdf-Datei zusammengefaßt. Bitte die Größe der Datei (5 MB) und die daraus resultierenden langen Ladezeiten beachten.

In der Zeitschrift „Unser Brandschutz ( UB )“ - der Feuerwehrzeitung der ehemaligen DDR – wurde in den Jahren 1974 und 1975 in der Rubrik „Für den Feuerwehrmann“ eine Serie „Der Einsatz und die Pflege der Funktechnik“ (32 MB großes PDF!) von Hauptmann der Feuerwehr Ing. Lothar Hoheisel veröffentlicht. Diese Artikelserie beschreibt recht anschaulich und sehr ausführlich u.a. die damals eingesetzte Technik. Die schlechte Qualität des Scans liegt an meiner bescheidenen Technik. Ich bitte, dies zu entschuldigen.

In dem Feuerwehr-Fachbuch „Geräte und Aggregate der Feuerwehr“, erschienen 1984 im Staatsverlag der DDR sind im Kapitel 1.11 die Signal- und Nachrichtengeräte sowie im Kapitel 1.12 deren Zubehör beschrieben. Dies beinhaltet nicht nur die Funktechnik sondern alle Signal- und Nachrichtengeräte! Das PDF-Dokument ist etwa 7 MB groß – bitte die längere Ladezeit berücksichtigen!

Ich bitte beim Lesen des Artikel immer an die Zeit (1974) und den vergleichbaren Stand in der BRD zu denken.

Hier zur Erinnerung:

Wir schreiben das Jahr 1974. Das FuG 7b ist das Standardgerät der westdeutschen BOS. Aufgrund der hohen Kosten für FuG 7b werden in viele Fahrzeuge Wenigkanalgeräte eingebaut. Hierbei handelt es sich um 4-m Versionen von Betriebsfunkgeräten, die häufig nur mit ein oder zwei Kanälen bequarzt sind. Auch war es Standard, das nicht jedes Fahrzeug über Funk verfügte. Lediglich die Führungsfahrzeuge waren meistens mit Funk ausgestattet. Die 2-m Handfunkgeräte FuG 10 der Firmen AEG-Telefunken und Bosch sind seit 1972 auf dem Markt verfügbar, aber noch nicht weit verbreitet. Im Bereich des Krankentransportes war die Landschaft noch viel bunter. Private Abschlepp- und/oder Taxi-Unternehmen hatten nebenbei einen Krankenwagen, mit dem dann Notfälle gefahren wurden. Einheitliche Leitstellen befanden sich im Aufbau. Im Bereich der Feuerwehren gab es kein einheitliches Namensschema. Erst die Waldbrandkatstrophe in Niedersachsen im Jahre 1975 führte hier zu einem Umdenken und es wurde danach generell nur noch in Vielkanaltechnologie investiert. Die zu dem damaligen Zeitpunkt vorhandenen Wenigkanalgeräte wurden aber trotzdem über viele Jahre weiter genutzt und sind auch heute noch auf manchem älteren Fahrzeug anzutreffen.

In dem Buch Unfallrettung von R.F.Lick / H.Schläfer, erschienen 1973 im F.K.Schattauer Verlag, wird in einem Kapitel auch das Nachrichtenwesen ausgehend von dem 1972 in der BRD aktuellen Stand beschrieben. Die entsprechenden Seiten stelle ich hier als pdf-Datei zur Verfügung. Danach waren 1972 auch in Rettungsmitteln der BRD noch Wenigkanal-Funkgeräte weit verbreitet und bei den Feuerwehren häufig lediglich die Führungsfahrzeuge mit Funk ausgerüstet. Auch befand sich der heute bundesweit vorhandene Notruf 110 / 112 und entsprechende Leitstellen noch im Aufbau.



Ich danke Herrn Hartmut Greulich von der FAG Feuerwehrhistorik des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt e.V. für die Überlassung der Unterlagen und die Unterstützung bei der Aufbereitung dieses Themas.